Sicher-am-Limit

Verfasst am Sonntag, 22. April 2018 geschrieben von Ron

 

Für das Basis-Training am 15.04. waren leider bereits alle Plätze ausgebucht. Zum Glück hatte ich Nina per Mail kontaktiert, da so etwas wie eine Nachrückliste existiert und ich dann nach Absage eines Teilnehmers zwei Tage vor dem Trainingstermin noch kurzfristig eine Zusage zur Teilnahme erhalten habe.
Laut Auskunft weiterer Teilnehmer werden recht großzügige Gruppenrabatte gewährt. Eine Verrechnung der Kursgebühr mit Gutscheinen der Berufsgenossenschaft ist aufgrund fehlender Zertifizierung leider ausgeschlossen. Laut Erzählungen von Jörg wurde die Kursgebühr bei einem Teilnehmer nach Einreichung bei der Berufsgenossenschaft doch noch erstattet. Das Gästebuch auf der Homepage berichtet zudem von Versicherungsrabatten, die nach Einreichung der Teilnehmerurkunde gewährt wurden. Da diese Rabatte jedoch nicht bei allen Assekuranzen gewährt werden, sollte man sich bei Bedarf selbst informieren.

Das Training richtet sich aus meiner Sicht an alle Motorradfahrer, ausgenommen sportlich ambitionierte Fahrer mit entsprechender Rennstreckenerfahrung, und auch an Wiedereinsteiger wie mich selbst. Es kann mit Sicherheit auch nicht schaden das Training nach gewisser Zeit ereneut zu besuchen, bspw. zu Beginn einer Saison, um Erlerntes wiederaufzufrischen und weitere Optimierungspotentiale unter Anleitung zu identifizieren und auszuschöpfen.

Auslegermotorrad, Kraftstoff und Getränke werden gestellt, man benötigt demnach nur noch eine Mindestausstattung von Handschuhen, Helm, Schutzanzug und Stiefel, die man natürlich selbst mitzubringen hat. Falls man zum Ende des Trainings die Gelegenheit zum Trainieren oder Ausprobieren des Hangoff nutzen möchte, empfehle ich noch einen Satz Kniepads.

Das Training begann wie geplant um ca. 09:00 Uhr, nachdem Jörg sich vorgestellt hatte, das Motorrad startklar war, Bierbank und -tisch aufgebaut waren, Kuchen, Wasser und Kaffee bereitstanden und das Sonnenschutzdach aufgespannt war.

Das Trainingsgelände entspricht einem abgesperrten Parkplatz mit grobem Asphalt und 50x50m Freifläche, in der sich lediglich zwei Parkplatzlampen als kleines Hindernis auftun (auf Google Maps durch Schatten des Stahlmastes mit rundem Lampenschirm angedeutet). Die Besucherfahrzeuge sollten sicherheits- und versicherungsbedingt nicht auf dem Trainingsgelände abgestellt werden.

Die aktive Teilnehmergruppe in dem von mir absolvierten Termin bestand aus 6 Personen unterschiedlicher Couleur. In der Vorstellungsrunde wurden wir unter Anderem zu unseren Erwartungen an das Training befragt. Hierzu wurden Dinge genannt, wie "Die Rechtskurven machen mir noch Probleme", "Schräglagen verursachen noch ein Unbehagen", "Lösung der Verspannungen bei Kurvenfahrten" etc. Die Teilnehmer waren insgesamt sehr aufgeschlossen, es herrschte eine sehr angenehme, beruhigende und lustige Atmosphäre, so dass sich aber auch keiner einen Witz verkneifen musste.

Das Training bestand insgesamt aus 4 Einheiten mit jeweils einem Teil Praxis und Theorie. Der praktische Anteil bestand aus unterschiedlichsten Fahrttrainings mit einer Dauer von jeweils ca. 20 Minuten pro Person.
Die theoretischen Teile beinhalteten Exkurse zu physikalischen Kräften beim Motorradfahren gemäß Kammschen Kreis, Reifenauflageflächen in unterschiedlichen Situationen, Bremswirkung beim Bremsen mit Vorder- und Hinterradbremse, die verschiedenen Kurventechniken „Drücken, Legen, Hängen“, Bremspunkt und -wirkung bei Kurvenfahrten, Bremsmanöver in Extremsituationen, Lenkimpulse, Linien- und Blickführung etc..

In der ersten praktischen Einheit hatte man die Möglichkeit sich vorerst mit dem Auslegemotorrad vertraut zu machen, einer Kawazaki ZR 7 mit „Stützrädle“. Hierzu fuhren wir Kurven um die Parkplatzlampen, deren Sicherheitsbereich mit Pylonen abgegrenzt wurde. Als Blade-Führer stellte dies bereits eine kleine Herausforderung für mich dar, so dass ich in der ersten Übung einige Pylonen zum Kippen brachte.

Die zweite Übungseinheit sollte dem Fahrer die Reaktion des Fahrzeugs bei unterschiedlichen Lenkimpulsen bewusst machen. Hierzu fuhren wir einhändig gerade Linien auf dem Trainingsgelände und drückten den Lenker jeweils in verschiedene Richtungen. Es ist schon interessant sich bewusst zu machen, wie sich das Motorrad bei den unterschiedlichen Lenkimpulsen verhält. Es war optisch bereits zu erkennen wie dieses Verhalten einige Teilnehmer verwundert hat, obwohl man sich gerade dieses Verhalten bei jeder Fahrt unbewusst zu Nutzen macht.

Bei der dritten Übungseinheit lag der Schwerpunkt auf Blickführung, dem Überfahren eines Hindernisses in Schräglage und dem Ausweichen in einer Kurve. Nach den ersten Achtern auf dem Gelände legte Jörg eine Holzpaneele in den Scheitelpunkt der Kurve, die es mit korrekter Blickführung zu überfahren galt. Hierbei konnte man sich gut mit derartigen Situationen vertraut machen, ohne einen Sturz mit dem eigenen geliebten Gefährt zu riskieren.

Im nächsten Schritt stellte sich Jörg in den Ausgang der Kurve und zeigte dem Teilnehmer beim Einfahren in die Kurve an, ob er die Kurve außen oder innen verlassen soll. Beim Verlassen der Kurve nach Innen reichte eine Reduzierung des Gaszugs mit gleichzeitigem Lenkimpuls und Erhöhung der Schräglage völlig aus. Im Nachhinein gestaltete sich die Übung als weitaus unspektakulärer als vermutet. Diese Erfahrung wird sich noch unbestritten als wertvoll erweisen, wenn im Fahreralltag Konfrontationen mit unerwarteten Hindernissen eine gewisse Gelassenheit des Fahrers und eine angemessene Reaktion in Bruchteilen von Sekunden erfordern.

Nach jeder Trainingseinheit wurde der Winkel der Stützräderaufhängung etwas vergrößert, so dass wir letztendlich in der letzten Trainingseinheit bei 50° angelangt waren. Es war doch eine positive Überraschung, dass ausnahmslos alle Kandidaten auch in dieser Einheit die Stützräder auf den Asphalt brachten. Diese Übung sollte dem Teilnehmer die Schräglagenreserven nahebringen, die er bei Bedarf noch locker ausschöpfen kann, was nicht heißen soll, dass derartige Schräglagen für den regelmäßigen Besuch der nächsten Eisdiele um die Ecke angemessen sind.

Die letzte Übung bot zudem die Möglichkeit den Hangoff unter sicheren Verhältnissen und unter geschulter Beobachtung auszuprobieren, obwohl die Straßentauglichkeit derartiger unnatürlich wirkender Verrenkungen sofort in Frage gestellt wurde. Nach ein paar Kurven in dieser Stellung teilten mir meine Hüften recht unmissverständlich mit, dass mir mein Alltag seither andere Belastungen abverlangte.

Zu guter Letzt zogen die Teilnehmer Resümee und berichteten über ihre Eindrücke. Es war unschwer zu erkennen, dass jeder Teilnehmer seine Freude am Training hatte und die eingangs erwähnten Erwartungen erfüllt wurden.
Nach offiziellem Abschluss des Trainings durch Überreichen der gedruckten Teilnahmeurkunden um ca. 15:30 Uhr wurde uns noch die Möglichkeit geboten mit dem Trainingsfahrzeug weitere Runden auf dem Trainingsgelände zu drehen.
Mit einem Hinweis auf die Unfallstatistiken nach der Teilnahme

 

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